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Zündstoff Parodontitis – wie gefährlich ist sie?

Parodontitis war das Schwerpunktthema am Tag der Zahngesundheit 2021 und das auch noch mit einem besonderen Motto:

 Gesund beginnt im Mund – Zündstoff!

Zündstoff war auch der wesentliche Hashtag, unter dem das Thema durch die sozialen Medien ging. Mir gefällt der Begriff, denn er weist auf das Gefahrenpotenzial hin, das mit der Parodontitis einhergeht. Andererseits kann man auch dafür sorgen, dass der Zündstoff nicht zündet und die Gefahr damit rechtzeitig beseitigen.

Nehmen Zahnärzte Parodontitis nicht ernst genug?

Das ist natürlich eine rhetorische Frage. In meiner neuen Zahnarztpraxis wird die Vorbeugung eine sehr wesentliche Rolle spielen. Um beim Motto des Aktionstages zu bleiben, Zündstoff im Mund soll am besten gar nicht erst entstehen. Da es nur zwei Zahnkrankheiten gibt, nämlich Karies und Parodontitis, sind diese natürlich auch Thema meiner zahnärztlichen Beratung. Die Frage ist immer, wie gut kann ein Prophylaxe-Konzept sein, um der Entstehung von Karies und Parodontitis von Vorneherein vorzubeugen?

Warum gibt es den Tag der Zahngesundheit?

Wenn ich die Beratung und Aufklärung meiner Patienten als Zahnarzt so ernst nehme, wofür braucht es dann einen Tag der Zahngesundheit?

Der Aktionstag ist eine gute zusätzliche Aufklärungskampagne. Ein bestimmtes Thema steht jedes Jahr am 25. September im Fokus. Es gibt ein Motto wie „Gesund beginnt im Mund – Zündstoff!“ für das Thema Parodontitis im letzten Jahr. Um den Schwerpunkt herum koordiniert der Aktionskreis bundesweit viele Events. Die Aufklärung über Zahn- und Kiefererkrankungen, die Förderung der Eigenverantwortung und die Verhütung von Zahnerkrankungen stehen dabei im Vordergrund. Besonders gefallen mir die Veranstaltungen in Kita und Schule, denn die sind eine wirksame Unterstützung von uns Zahnärzten.

Als Zahnarzt für die ganze Familie finde ich es hervorragend, wenn bereits den Kleinsten die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das von Zahnärzten, Zahnärztinnen und Prophylaxefachkräften durchgeführte Programm nennt man Gruppenprophylaxe. Dazu gleich mehr.

Parodontitis – Zündstoff für die Zahngesundheit

Das Motto Zündstoff ist durchaus passend gewählt:

Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Parodontitis, einer bakteriellen Infektion des Zahnhalteapparats. Viele sind davon betroffen, ohne es überhaupt zu merken.

So haben laut Statistik schon jüngere Menschen (Altersgruppe 35-44 Jahre) zu mehr als 50% eine moderate oder schwere Parodontitis entwickelt.

Erste Symptome wie Zahnfleischbluten werden oft nicht ernst genommen. Bleiben diese Anzeichen auf Dauer unbehandelt, reagiert das Zahnfleisch. Es liegt immer weniger fest am Zahn an. In den entstehenden Zahnfleischtaschen können sich Bakterien nun ungehindert vermehren, denn weder Zahnbürste noch Zahnseide können diese Stellen erreichen.

Wenn sich das Zahnfleisch weiter zurückzieht und Zahnhälse sichtbar werden, ist die Parodontitis bereits fortgeschritten. Jetzt wird sie auch zu einem ästhetischen Problem. Das Lächeln ist nicht mehr ganz so strahlend.

Wann ist die Parodontitis gefährlich?

Bei der Antwort kommt es darauf an, ob wir nur über die Zähne reden oder über Folgeerkrankungen und Wechselbeziehungen im gesamten Organismus.

Folgen für den Zahnhalteapparat

Wenn die Entzündung das Gewebe und den Kieferknochen angreift, wird es tatsächlich gefährlich. Mit fortschreitender Erkrankung baut sich der Knochen allmählich ab. Dadurch verlieren die Zähne ihren Halt. Sie können im schlimmsten Fall ausfallen. Gefährlich ist auch, dass die Betroffenen den Verfall ihres Zahnhalteapparats oft gar nicht oder erst viel zu spät bemerken, weil die Parodontitis vielfach schleichend und schmerzlos voranschreitet.

Folgen für den gesamten Organismus

Eine Parodontitis kann auch zusätzlich gefährliche Folgen für den gesamten Organismus haben. Nämlich dann, wenn der Blutkreislauf Entzündungsstoffe und Bakterien im Körper verbreitet. Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Parodontitis und Diabetes. Parodontitis und Schlaganfall. Der Zusammenhang ist mittlerweile mehrfach in klinischen Studien nachgewiesen. Auch Schwangerschaftskomplikationen, Rheuma oder chronische Atemwegserkrankungen stehen in Wechselbeziehungen zu einer Parodontitis und begünstigen sich gegenseitig.

Gute Mundhygiene sorgt für weniger Zündstoff

Sowohl die Prophylaxe in der Zahnarztpraxis als auch die regelmäßige Zahnpflege zuhause sind die beste Vorbeugung gegen Parodontitis. Eine Zahnfleischentzündung muss sich nicht unbedingt zu einer Parodontitis entwickeln. Dafür müssen Zähne und Zahnfleisch von bakteriellem Zahnbelag befreit werden. Wer denkt, das leistet die Professionelle Zahnreinigung (PZR) in der Zahnarztpraxis zweimal im Jahr, der irrt sich. Die Entfernung von Zahnbelägen, Verfärbungen und Zahnstein sind lediglich eine Ergänzung des häuslichen Zahnplegeprogramms. Die tägliche Zahnpflege inklusive der Reinigung der Zahnzwischenräume macht den Löwenanteil aus. Das Zahnfleisch sagt dankeschön.

Gruppenprophylaxe für rund 4,6 Millionen Kinder

Kommen wir nochmal zurück zum Tag der Zahngesundheit. Die Veranstaltungen in Schulen und Kitas widmeten sich der Gruppenprophylaxe. Die Gruppenprophylaxe betreut Kinder bis zum 12. Lebensjahr. Der jährliche Betreuungsgrad beträgt ca. 80% aller Kinder in Kitas und Grundschulen und ist damit ein wesentlicher Beitrag zur Prävention neben der Individualprophylaxe in der Zahnarztpraxis.

Ungleich verteilte Startchancen für Kinder im Hinblick auf gesunde Zähne werden durch Gruppenprophylaxe abgemildert. Das gemeinsame Erlernen der täglichen Zahnpflege und auch die Ermunterung zum Zahnarztbesuch tragen vom Milchgebiss an maßgeblich dazu bei, dass auch Kinder, deren Mundgesundheit zu Hause nicht gut unterstützt wird, nach und nach erlernen, ihre Zahngesundheit zu erhalten.

Fazit

Gesund beginnt im Mund.

Wir haben gesehen, dass eine Parodontitis der Zündstoff für böse Folgen für ihre Zähne sein kann. Die Auswirkungen einer Parodontitis beschränken sich allerdings nicht nur auf den Mund. Auch Erkrankungen im gesamten Organismus werden unter Umständen durch eine gute Mundhygiene vermieden. Darum ist es wichtig, Selbstverantwortung zu übernehmen. Ein jährlicher Aktionstag unterstützt Sie dabei gerne immer wieder. Wenn Sie nicht bis September warten wollen, besuchen Sie doch mal wieder Ihren Zahnarzt. Seit Juli 2021 gibt es auch neue Kassenleistungen in der Parodontitis-Therapie.

Bildnachweis: Depositphoto 349699408 Autor Serezniy 

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